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Ottensen

Der Stadtteil Ottensen in Hamburg

Steckbrief: Einwohner: 35.600, Größe: 2,8 qkm, 12440 Einwohner/qkm

Bezirk Altona: Einwohner: 238.000, Größe: 78 qkm, 3040 Einwohner/qkm
Hamburg: Einwohner: 1,6 Mill, Größe: 755 qkm, 2210 Einwohner/qkm
Hamburg hat 7 Bezirke und 104 Stadtteile

Der Abriss des Altoner Bahnhofs

Altonaer Bürger wollten den Bahnhof erhalten. Leider wurde der Bahnhof Oktober 1973 abgerissen. Doch danach mischten sich die Bewohner und Bewohnerinnen verstärkt in die Stadtteilgestaltung ein und vieles, was zum Abriss bestimmt war, blieb erhalten und macht heute den Charme von Ottensen aus.

Ottensen – eine Reise durch die Zeit

Schenkt man den alten Stadtchroniken und heimatkundlichen Schriften Glauben, so haben sich Altona und Ottensen schon immer als Zufluchtsort für anderswo Ausgegrenzte erwiesen und sich dadurch ausgezeichnet, daß hier Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religion, Arme und Reiche, zunftlose und zünftige Handwerker mit- und nebeneinander ausgekommen sind: Das offene Stadttor auf dem Altonaer Wappen soll davon zeugen – mit dieser Offenheit waren aber auch immer handfeste wirtschaftliche Interessen verbunden.

Und so ist es noch heute: Trotz gefürchteter “Verslumung” und gleichzeitiger “Schicki-mickisierung” und der alltäglichen “Ausgrenzungen” hat Ottensen nicht nur den Ruf, “sozialer Brennpunkt” oder ständiger “Konfliktherd” zu sein, sondern ist auch als ein Ort großer Toleranz im Zusammenleben und -arbeiten sehr unterschiedlicher Menschen bekannt.

Ottensen, einst beschauliches Bauerndorf, entwickelte sich ab 1853 durch günstige Zollbedingungen zur Industriestadt. Glashütten, Eisengießereien, Maschinen- und Tabakfabriken sowie fischverarbeitende Betriebe siedelten sich auf der “grünen Wiese” an, und der Zuzug der nötigen Arbeitskräfte führte zur schnellen Verdichtung mit Arbeiterwohnhäusern und kleineren Zuliefer- und Handwerksbetrieben. Die verkehrsgünstige, hafennahe Lage und die bereits 1844 gebaute Altona-Kieler-Eisenbahn begünstigten diese Entwicklung.

Neben den Landhäusern und den Fabrikantenvillen am Elbhang entstand ein typisches Arbeiterwohn- und Fabrikviertel: “Mottenburg”, der Ort, wo man sich die “Motten” (Tuberkulose) holen konnte, durch die schlechten Wohn- und Arbeitsverhältnisse.

Von Kriegszerstörungen weitgehend verschont, wurde Ottensen eher durch die Nachkriegsplanungen einer “City-West” bedroht. Ganz Ottensen sollte einem City-Entlastungszentrum mit Anbindung an den neuen Elbtunnel über gigantische Autobahnzubringer weichen. Diese Pläne öffneten der Spekulation Tür und Tor und führten zu jahrelanger Vernachlässigung der alten Bauten bis hin zum Verfall. Auch der Wegzug großer Betriebe durch Wirtschaftskrisen, Mißmanagement oder fehlende Expansionsmöglichkeiten vermehrten die typischen Merkmale späterer Sanierungsgebiete: Leerstehende Häuser und Fabrikhallen, ungepflegte Altbauten, ungenutzte Freiflächen, Altlasten, der verstärkte Zuzug ärmerer Menschen, darunter viele EinwanderInnen und StudentInnen.

Beeinflußt durch die neue soziale Bewegung der 68er Jahre wurde Ottensen zu einem Stadtteil des Protestes gegen die “City-West”- Pläne: Bürgerinitiativen, sowie politisch und sozial engagierte Gruppen mischten sich ein und kämpften um Mitbestimmungsrechte bei Sanierung und Stadtplanung, um selbstverwaltete sozio-kulturelle Einrichtungen, Kinder- und Schülerläden, Gleichberechtigung für EinwanderInnen etc. Diese Gruppen arbeiten z.T. bis heute im Stadtteil.

Vor diesem Hintergrund wurde auch 1980 das “Stadtteilarchiv Ottensen” gegründet, als Sammelstelle für Geschichte und Geschichten, wo zusammen mit den BewohnerInnen des Stadtteils ein Ort öffentlicher Geschichtsaneignung mit unterschiedlichen Ansätzen in Bezug auf historische Spurensicherung, Forschungs- und Vermittlungsarbeit aufgebaut wurde. Das Stadtteilarchiv Ottensen verfügt heute über eine umfangreiche Sammlung zur Sozialgeschichte und -gegenwart des Stadtteils und kann Interessierten damit Kenntnisse und Erfahrungen an die Hand geben, um sich mit Entwicklungen und aktuellen Veränderungen des Viertels auseinanderzusetzen und sich an seiner politischen Kultur zu beteiligen. Mit eigenen Buchveröffentlichungen, Ausstellungen, Stadtteilrundgängen und anderen öffentlichen Aktionen und Veranstaltungen zu historischen und aktuellen Themen ist das Stadtteilarchiv Ottensen mittlerweile weit über Hamburg hinaus bekannt geworden.

Beim Stadtteilarchiv handelt es sich um ein für das Viertel typisches Arbeiterwohnhaus der 1860er Jahre. Die im Hinterhof gelegene Fabrik mit historischen Maschinen und Antriebstechniken konnte vor dem Abriß gerettet werden und ist heute bekannt als ein für Hamburg einzigartiges, gut erhaltenes und authentisches Zeugnis und Denkmal der Industriegeschichte und des Arbeiterwohnens. Ein zum Gesamtensemble gehörender Neubau konnte drei Einwandererfamilien als Wohnungen zur Verfügung gestellt werden.

Nicht weit entfernt von der Zeißstraße in der Friedensallee steht eine der letzten großen erhaltenen Fabrikhallen Ottensens. Nach achtjähriger Bauzeit wurde hier die alte Halle der ehemaligen weltweit bekannten Schiffschraubenfabrik “Zeise” auf Initiative des Hamburger Filmbüros zum Medienzentrum “Zeisehallen” mit Kinos, Unternehmen der Medienbranche, Geschäften, Kneipen und Restaurants umgebaut. Die Fabrikhalle steht ebenfalls unter Denkmalschutz, ist aber ein Beispiel für eine kommerzielle Umnutzung und nicht unumstritten – gerade wurde aus der unmittelbaren Nachbarschaft eine Bürgerinitiative gegründet, die sich gegen den Verkehrslärm durch die Kino- und Kneipenbesucher am Abend richtet.

Von diesem Verkehrsaufkommen sind auch die BewohnerInnen alternativer Bauprojekte betroffen, die gerade nach jahrelangen Bemühungen hier in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Zeisehallen ihre neuen Häuser beziehen konnten: die Mitglieder der Wohngruppenprojekte “Ottenser Dreieck” und “HausArbeit”. In 5 Häusern entstanden 48 Sozialwohnungen für etwa 100 Menschen, davon etwa 25 Kinder. Ein Haus ist für eine Gruppe alleinerziehender Frauen und Männer gebaut worden, ein anderes als Niedrig-Energiehaus. Von Anfang an haben sich die heutigen BewohnerInnen an der Planung und Organisation des Bauvorhabens als Genossenschaften beteiligt und haben gegen Behörden und Kreditgeber ihre Ideen von neuen Formen des Zusammenlebens in der Stadt durchgesetzt.

Eine weitere alte, heute umgenutzte Fabrik in Ottensen beherbergt das soziokulturelle Stadtteilzentrum “Motte” an der Eulenstraße / Rothestraße. Mit ihren zahlreichen Werkstätten (Foto-, Video-, Siebdruck-, Buchdruck-, Holz-, Ton-, Metall-, Fahrrad- und Motorradwerkstatt), den Kinder-, Jugend und Veranstaltungsbereichen, den Kursangeboten, der Teestube, dem angrenzenden Hühnerhof und der Bienenzucht auf dem Dach ist sie aus dem Stadtteil nicht mehr wegzudenken. Als Keimzelle der Stadtteilkultur und Soziokultur in Ottensen feierte die “Motte” 1996 ihr 20-jähriges Bestehen zusammen mit allen anderen Ottenser Initiativen, beispielhaft für eine vernetzte Kultur-, Politik-, Sozial-, und Geschichtsbewegung.

(Text Stadtteilarchiv Ottensen)


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