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Mukojima

Der Stadtteil Mukojima in Tokyo


Steckbrief:
Einwohner: 66.000, Größe: 3,4qkm, 19.200 Einwohner/qkm
Bezirk Sumida: Einwohner: 230.000, Größe: 14qkm, 16.200 Einwohner/qkm
Tokio-Stadt: Einwohner: 8 Mill, Größe: 617 qkm, 13.200 Einwohner/qkm
Groß-Tokio Einwohner: 12 Mill, Größe: 2.046 qkm, 5750 Einwohner/qkm
Tokio-Stadt hat 8 Stadtbezirke; Groß-Tokio umfaßt 23 Bezirke.

Beim Überqueren der Makura-Brücke (Ausschnitte)

Essay von Yukio Tsuji

Übersetzung: Noboru Miyazaki, Originaltitel: Makurabashi o watatte, Erstveröffentlichung: Ginka

Ich überquere von Asakusa aus den Sumida-Fluß über die Azuma-Brücke. An der Brücke ist ein Fähranleger, wenn ich vorbeigehe, bleibe ich normalerweise stehen und sehe den abfahrenden Schiffen zu.

Vor Kurzem sah ich ein Schiff langsam seine Richtung ändern und da ein leichter Regen zu fallen begann, habe ich den Regenschirm aufgespannt. So habe ich am Wochenende beim Haiku-Dichter-Treffen das Gedicht “Frühlingsregen, mit offenem Schirm überquere ich die Azuma-Brücke”, vorgelegt. Die Beurteilung war nicht gut. Es sei doch Frühlings-regen! Da sollte der Schirm nicht aufgemacht werden. Wann ich meinen eigenen Schirm aufmache, geht das niemanden etwas an. Aber meine Freunde, die Laien-Haikus dichten, denken sofort an eine Person wie Tsukigata Hampeita. Hier ist aber Edo (Tokio), Freunde!

Dahinter stehen das Asahigebäude, das Rathaus und hohe Wohnhäuser. Auf dem Dach der schwarzen niedrigen Asahi-Bierbrauerei befindet sich immer noch dieses goldene obskure Objekt. Ich habe einmal geträumt, daß dieses wie die Raupe einer Monstermotte über das Meer nach Frankreich verschwindet, wo der Architekt herkommt. Leider war es nur ein Traum. Die Umgebung glänzt und glitzert, und wenn man gedankenverloren vorbeigeht, überkommt einen das Gefühl, daß es jeden Moment herunter rutschen könnte. Deshalb gehe ich ganz schnell vorbei, weiter zur Makura-Brücke. ..

Historisch war Mukojima ein Ort, den man von außen her besuchte und der Sumida wurde vom Westen nach Osten überquert. Wer hat die Brücke überquert? Männer, die von ihrer eigenen Nutzlosigkeit überzeugt waren, überquerten den Sumida, oder Frauen, die sich alleine auf die Reise machten, um ihr Kind, das von Menschenhändlern geraubt worden war, zu suchen. Diese Leute kamen aus der weit entfernten Hauptstadt Kyoto und überquerten diesen Fluß von Westen nach Osten. Hier beginnt das Land Shimokusa, und dahinter liegt ,Oshu’, das Ende der Welt.

Ich habe hier mit der Geschichte angefangen, aber da wir diese Begebenheiten als Modell nehmen, ist der Sumida in unserem Herzen und unseren Gedanken auch heute noch der Fluß, den man von Westen nach Osten überquert.

Es gibt viele Gedichte, die den Sumida besingen. Ein Gedicht des Dichters Makoto Ooka mit dem Titel ,Ohne Sentimentalität im Herzen’ ist ganz und gar modern und gleichzeitig auch klassisch. Es besingt diese Gegend schön und radikal. Als ich zum ersten Mal dieses Gedicht las, befand ich mich auf der Ostseite des Flusses. Sofort fühlte ich mich auf das weit entfernte Westufer versetzt und sah den Rücken eines Mannes vor mir, der gerade den Fluß überquert. diese Gegend schön und radikal. Als ich zum ersten Mal dieses Gedicht las, befand ich mich auf der Ostseite des Flusses. Sofort fühlte ich mich auf das weit entfernte Westufer versetzt und sah den Rücken eines Mannes vor mir, der gerade den Fluß überquert.

Wenn man die Makura-Brücke überquert und bis vor den Park der ehemaligen Residenz des Mito-Clans kommt, steht dort auf der rechten Seite das prachtvolle Steinmonument von Fujita Moopo und auf der anderen Seite eine Stele, auf der mit metallenen Lettern steht.

“Der letzte Ort des Tomita Moopo, des begabten Haiku-Dichters, der in Mukojima Koume-cho geboren wurde und hier in der Nähe der Makura-Brücke am Sumida-Ufer starb. Seit seinem zweiten Lebensjahr litt er an Kinderlähmung und konnte lebenslang nicht gehen.”. ..

Moopo, der in Koume-cho geboren wurde und Haikus in Tamanoi und Mukojima-Susaki-cho schrieb, starb am 1. September 1923 beim großen Kanto-Erdbeben im Alter von 27 Jahren. Seine Schwester, eine Geisha, und deren Freundinnen, haben ihm von seinem Haus in Sazaki-cho weggeholfen. Danach hat ihn Arai Seifu, der Redakteur seiner Gesamtwerke, bis zum Ufer des Sumida getragen. Von hier aus mußte man zum anderen Ufer schwimmen. Moopo, der nicht alleine gehen konnte, ist an diesem Ufer gestorben – im Sitzen vom Feuer umzingelt.

Vorhin habe ich geschrieben, daß man den Sumida von Westen nach Osten überqueren muß, aber wenn ich den Sumida überquere, sehe ich auf der Makura-Brücke Moopo, der nie in seinem Leben den Fluß überquerte. Er blickt auf die Häuser in Asakusa im Westen und auf das Fließen des Wassers. ..

Im Frühling gibt es auf dem Sumida einen Regattawettbewerb der Universitäten. Hinter der Kototoidango, jetzt auf der anderen Seite von Ooh Sadaos Baseballplatz, lag das Bootshaus, und die Studenten haben täglich in dieser Gegend geübt. Ich sah gern am Abend zu, wie ein Student allein in seinem Boot, einer Wasserspinne gleich, über das Wasser gleitet.

Da dies typisch für diese Gegend ist, müßte jedes Kind in der Nachbarschaft davon träumen, eines Tages ein Ruderer an der Universität zu werden. So ist es nicht! Ich wollte die Universität besuchen, wenn es meine Eltern unbedingt wünschten – jedoch keinesfalls zum Ruderer werden. Als Ruderer hat man eine Wunde am Po. Die Männer vom Bootsclub zeigten sich im Sento, dem öffentlichen Bad, den Po und fragten sich dabei immer sehr laut: “Wie ist meiner? Sehr schlimm?”

Die Kinder von Shitamachi, die so etwas immer zu sehen bekamen, schworen sich, nie so tief zu sinken, daß sie sich gegenseitig den Po zeigten.

Zitate

“Wir hören, daß in Deutschland die bürgernahe Stadtplanung sehr intensiv betrieben wird. Durch eine Kontaktaufnahme mit Ihnen, wollen wir unseren Stadtteil Mukojima mit anderen Augen sehen und über gemeinsame Probleme nachdenken”,

schreibt die Bürgerinitiative “Kawanote-Club” 1991 an die Ottenser Bürger.

“Ich dachte, wenn wir uns mit der Zukunft von Mukojima befassen, könnte es auch nützlich sein, einen Blick nach Ottensen zu werfen und davon zu lernen, und so entwickelte sich der Austausch.”

Toshiya Yamamoto als Stadtplaner träumt er von einer besseren Stadt und arbeitet im Modellversuch Mukojima.

“So etwas wie der Stadtteildialog ermöglicht einen Einblick in eine andere Realität, in der es neben dem Fremden doch sehr viel menschlich Vertrautes gibt. Es ist aber auch ein Blick in den Spiegel der Fremdheit, der einem das Eigene von einer anderen Seite zeigt, der einem die Offenheit schafft zu fragen, warum ist es so, wie es ist. Das Staunen, das der Austausch zwischen den Stadtteilen hervorruft, ist für mich sein wichtigstes Ergebnis.”

Titus Spree, Stipendium an der Tokyo Universität (Architektur und Stadtplanung)

“Der Austausch mit Ottensen geht jetzt schon seit 6 Jahren. Wenn man so eine Aktivität betreibt, hört man eine Menge Meinungen über diesen Stadtteil, das teilt man den Behörden mit und baut es in verschiedene Entwicklungspläne ein”,

erzählt Kimio Nakano. Manu-Institut, Gesellschaft für Stadtentwicklung, 15 Angestellte, davon 4 im Modellversuch Mukojima tätig

“Viermal im Jahr geben wir eine Zeitung heraus, die sog. Grande Rivière, das ist Französisch und bedeutet großer Fluß. Da wir jetzt so viel mit Hamburg zu tun haben, denken wir uns manchmal, wir hätten der Zeitung vielleicht einen deutschen Namen geben sollen”,

erzählt Herr Yamada. Kawanote-Club, Bürgerverein Mukojima, ca. 50 Mitglieder


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